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www.radibor.de

                         
Radwor - Radibor

                                                 

Die Landgemeinde mit ca. 3700 Einwohnern liegt etwa 10 km nördlich von Bautzen.

Charakteristisch für Radibor ist, dass sich ein bedeutender Teil der Bevölkerung die sorbische Nationalität und etwa 90 Prozent das katholische Glaubensbekenntnis bis heute erhalten haben. Das weitere Umfeld ist evangelisch geprägt. Der Alltag und das Dorfbild werden wesentlich durch diese Erscheinung geprägt.

Die wichtigsten Träger des sorbischen gesellschaftlichen Lebens ist die katholische Pfarrgemeinde, die Schule, die zwei Kindergärten, die Ortsgruppe der Domowina und vor allem der Volkschor "Meja", der schon 1895 gegründet wurde. Er ist ein wichtiger Träger des umfassenden sorbischen Liedgutes.

                                                 

                                                 

Durch Radibor führte einst die älteste Straße, auch alte Straße genannt, in Richtung Süden über die Galgenschenke, Bautzen, Zittau nach Prag, nach Norden über Luppa, Sprengberg, Cottbus, Berlin bis zur Ostsee. Im frühen Mittelalter zogen auf dieser Straße Händler und Pilger. Vor Jahren fiel leider dieser historische Weg im Süden von Radibor der Kollektivierung zum Opfer.

Radibor besaß zwei altslawische Schutzwälle. Der erste soll am Froschteich an der Wegegabelung zum Bahnhof nach Quoos gewesen sein. Bei Erbauung der Schenke fand man Grundmauern von bedeutender Größe, der Sage nach von einem Rathause der Wenden, die bei deren Bekehrung zerstört worden sei. Der Schutzwall wurde im Jahre 1820 abgetragen. Der zweite Schutzwall war in Brohna, der zwar zum Teil im Jahre 1857 abgetragen wurde, der jedoch noch im Jahre 1949 Archäologen eine gründliche Durchforschung ermöglichte. Etwa im 9.-11. Jahrhundert soll er entstanden sein, es könnte jedoch auch schon früher gewesen sein. In dieser Zeit fiel die Besiedlung des Ortes Radibor als Rundling.



Vom Namen Radibor kennen wir viele Formen und Auslegungen. Nur einige sollen erwähnt werden: Die ältesten Dokumente besagen, dass der Name Radibor aus den zwei Worten RADE (Rat) und DWOR (Hof) entstanden sei. Davon kann abgeleitet werden, dass die Besiedlung von den Wenden (Sorben) erfolgte und sie hier ihre Zusammenkünfte und Räte durchführten. Weiterhin wird behauptet, dass der Name des Dorfes abgeleitet wäre von einem tapferen, kräftigen und mutigen Menschen, der gern kämpft und seinem Feind nicht aus dem Wege geht und sich ihm nicht beugt.
Das älteste Dokument aus dem Jahre 1221 nennt den Ort Ratibor, was urkundlich nur einmalig mit -t- erwähnt wird und wohl für -d- steht. Weitere Dokumente führen z.B. die Namen Radebor, Redebur, Radwor, Radewor, Radeber an. Wissenschaftler leiten den Namen Radwor (obersorbisch) und Radebor (altsorbisch) vom Besitztum ab.

                                                 

                                                 

Eine der wertvollen Altertümlichkeiten, die Statue des heiligen Benno, des Meißner Bistumspatrons und "Apostels der Sorben", schmückte einst die alte Pfarrkirche in Radibor. Über der Wölbung vor dem Altarraum der neuen Pfarrkirche ist ein Wandporträt vom hl. Benno. Im Museum wird ein Stück der einstigen Glocke aus dem Jahre 1896 mit dem in Bronze eingegossenen Bildnis des Bischofs aufbewahrt.

Diese Zeugen besagen, dass St. Benno bei den Gläubigen von Radibor bereits seit dem frühen Mittelalter verehrt wird.
Als der hl. Benno im Jahre 1066 als Bischof nach Meißen berufen wurde, kam er in ein Gebiet, wo zu dieser Zeit beiderseits der Elbe ein slawisches Volk siedelte, die Wenden (Sorben) mit ihrer eigenen slawischen Sprache Wendisch (Sorbisch). Er wirkte hier als Missionar, erlernte die wendische Sprache und predigte wendisch und trug somit zur Christianisierung der Wenden bei. Man gab ihm den Ehrennamen "Apostel der Sorben". Vierzig Jahre wirkte der hl. Benno als Bischof von Meißen, durchwanderte das gesamte Bistum, lehrte und bekehrte das Volk zum christlichen Glauben.

 Auch in Radibor soll er gepredigt haben, da er zeitweise in dem nur eineinhalb Stunden entfernten Göda gewohnt haben soll.
Ob zur Zeit des hl. Benno in Radibor bereits ein Gotteshaus stand, ist nicht nachweisbar. Die Anfänge der Pfarrgemeinde liegen in den Jahren 1222- 1346.
Gewiss ist, dass im Jahre 1222 hier noch keine vollständige Gemeinde bestand. Die Pfarrgemeinde begann sich nach der Gründung des Domstiftes zu Bautzen im Jahre 1221 zu entwickeln. Es kann nachgewiesen werden, dass die Christen aus Radibor anfangs die Gottesdienste in dem eineinhalb Stunden entfernten Budyssin besuchten. Nach der Matrikel der bischöflich meißnischen Diözese gehörte die Pfarrgemeinde im Jahre 1346 mit 17 weiteren Pfarrkirchen dem Bautzener Domstift an und musste Budyssin jährlich vier Mark Bischofszins entrichten.

                                                 

Die erste Pfarrkirche

Das älteste Gebäude in Radibor ist der Rest der alten Pfarrkirche mit dem Altarraum und der Sakristei. Ehrwürdig blickt das Kirchlein mit seinen gotischen Fenstern und mit dem im Stirnfenster stehenden eisernen Kreuz und dem vergoldeten Kruzifix auf das Dorf. So manches könnten die Grundmauern von ihrer reichen Vergangenheit erzählen. Viel ist erforscht worden, jedoch liegt einiges noch im dunkeln.

Die erste Kirche wurde etwa im Jahre 1270 erbaut. Wie sie wohl ausgesehen haben mag, kann nicht gesagt werden. Eine Steindruckzeichnung der Kirche aus dem Jahre 1400 - 1500 beweist, dass es ein einfacher Bau mit gotischen Fenstern war, das Dach mit Stroh bedeckt, mit einem Turm und Vorbau mit Türmchen. Die Pfarrkirche aus dem Jahre 1270 erwähnt zum ersten Male Nikolaus Czorlich im "Die Oberlausitz als besondere Abteilung von Sachsens Kirchen-Galerie" 1848. Das älteste schriftliche Dokument im Kirchenarchiv zu Radibor ist aus dem Jahre 1397, es weist auf das Gerichtsrecht und den Bau der Kreuzkirche hin. Der erste bekannte Pfarrer an der Pfarrkirche hieß Fritzko (1384).

Im Jahre 1489 wurde anstelle der ersten Kirche eine neue gebaut, es kann aber auch sein, dass es sich um einen größeren Umbau handelte. 1489 waren hier zwei Pfarrer, Friedrich Johann Spöll und Gregorius Corchewest. Letzterer soll den Bau durchgeführt haben. Aus dieser Zeit ist bis zur Gegenwart ein Zeuge vorhanden, ein im gotischen Stil eingemauertes Sakramentshäuschen aus Sandstein mit der Jahreszahl 1519 und dem Namen des Bildhauers Wulff Hrabich. Zu beiden Seiten stehen die Statuen des hl. Jacobus und der hl. Barbara.

Die alte Kirche wurde in den Jahren 1519, 1589, 1680, 1816 und 1876 umgebaut, restauriert und teils auch vergrößert. Sie besaß einen Hochaltar und zwei Nebenaltäre. Erwähnenswert wäre der Bruderschaftsaltar mit der Statuengruppe, den man im Jahre 1745 für 10 Taler in Wittichenau kaufte. Viele Statuen, zum Teil aus dem 13./14. Jh., gehören bis heute zu einmaligen, wertvollen Sehenswürdigkeiten.

Bereits im Jahre 1888 war eine erneute Restaurierung der gesamten Kirche vonnöten. Eine einberufene Kommission stellte am 18. Juli 1888 fest, dass sich ein weiterer Umbau und Ausbau nicht lohne. Man begann über einen Neubau nachzudenken.

In der alten Kirche waren bis Ende 1896 Gottesdienste. Zum letzten Mal betrat der Bischof Ludwig Wahl mit weiteren Geistlichen am 15. November 1896 die alte Pfarrkirche, um vor den Reliquien der hl. Märtyrer die Bußgebete zu beten.

Nach der Weihe der neuen Kirche wurde die alte Kirche im Jahre 1896/97 bis zum Altarraum und zur Sakristei abgerissen und durch eine Mauer geschlossen. Im Jahre 1905 begann Jakub Nowak, von 1891 - 1896 Kaplan, von 1903 - 1931 Pfarrer in Radibor, ein sakrales Museum einzurichten, welches bald über die Grenzen Sachsens hinaus bekannt wurde.


Im Jahre 1989 wurde die alte Kirche von außen restauriert, von 1995 an auch der Innenraum. Fresken, Stuckarbeiten, Aufschriften, Zahlen und Daten wurden freigelegt, es muss jedoch noch viel getan werden. Wann alles beendet sein soll, ist ungewiss. Es wird aber bereits erwogen, wozu diese Stätte den Gläubigen dienen sollte:
- zu kleineren liturgischen Feiern und Konzerten,
- als Gedenkstätte für verdiente Persönlichkeiten,
- als Museum sakraler Altertümlichkeiten.

Die Kreuzkirche

In der Kreuzkirche auf dem Friedhof steht auf einen Granitsockel ein Kreuz aus Eisen mit der Jahreszahl 1754 und den Buchstaben P. H. Vorher soll der Legende nach hier ein Kreuz gestanden haben, das wohl der im Jahre 1397 erbauten Kirche den Namen "Kreuzkirche" gab.

Über die Gründung der Kirche wird in der Fundationsurkunde im Pfarrarchiv zu Radibor folgendes gesagt:
"Ich, Sigmund Behr, Bewohner der Stadt Bautzen, Schutzherr und Amtsverleiher der Kirche zu Radibor, tue hiermit öffentlich durch Vorliegendes kund, dass die Kreuz-Kapelle mit meiner Genehmigung errichtet und gegründet worden ist, und das Schutz- und Schirmrecht über dieser Kapelle soll für alle künftigen Zeiten dem jedesmaligen Pfarrer in Radibor gehören. Zum Beweis dafür erachte ich für gut, dem Vorliegendem mein Siegel beizufügen. Gegeben in Bautzen, im Jahr des Herrn 1397, der nächste Mittwoch nach dem Tage der heil. Jungfrau Dorothea."

In einer weitern Fundationsurkunde heißt es: "Der mächtige Herr Sigmund Behr, Bürger der Stadt Bautzen, erbte das Landgut oder das kleine Dorf Camina zu seiner Zeit, wo die Amtsvorrichtung ein katholischer Geistlicher hatte; der befreite sie von allen Frondiensten mit Ausnahme derer, welche dem König, so wie sein Kapitan zu leisten waren, und beschenkte sie auch mit allen weltlichen Rechten für immerwährende Zeiten. Das geschah 1397."


Die Kreuzkirche war nie eine Filiale der Radiborer Pfarrkirche, die Gutsherren hatten an ihr keine Rechte, sondern der jeweilige Pfarrer zu Radibor übernahm sie auf ewige Zeiten.
Vor der Reformation soll die Kirche eine Wallfahrtskirche gewesen sein, zu der viele Wallfahrer pilgerten.

Über Restaurierungen der Kreuzkirche von ihren Anfängen bis zum 16. Jh. ist nichts bekannt. Im Jahre 1630 zerstörte ein starker Sturm die Kirche. Erst 22 Jahre später wurde sie aus Spendengeldern der Gläubigen wieder errichtet. Ein Blitzschlag im Jahre 1882 richtete großen Schaden an, so dass eine bedeutende Restaurierung in den Jahren 1883-1888 erfolgte. Auch in der letzten Zeit wurde die Kirche erneuert, sie erhielt im Jahre 1983 nach 44 Jahren wieder eine neue Glocke.

"WOTPOCINK" (Ruhestätte) - so steht über dem eisernen Toreingang, für viele der letzte Weg in die Ewigkeit.
Einst besaß die Pfarrgemeinde zwei Friedhöfe, den ersten an der alten Pfarrkirche, den zweiten an der Kreuzkirche, der auch der Caminaer genannt wurde. schon von allem Anfang wurden hier Gläubige der Pfarrgemeinde beerdigt. Da der Friedhof an der Pfarrkirche trotz Erweiterung mit der Zeit zu klein wurde, löste man den Friedhof im Jahre 1883 auf, die fand hier im Jahre 1883 statt.
Der Friedhof an der Kreuzkirche wurde mehrmals erweitert und befindet sich heute in einem guten Zustand. Viele Andachten finden hier im Laufe des Jahres statt. Den Gläubigen sind die Worte des Pfarrers Josef Noack (in Radibor von 1931-1968) ein Vermächtnis: "Was unsere Vorfahren gebaut, gehegt und gepflegt haben, das dürfen wir nicht verlassen, sondern mit gleicher Treue und Pietät beschützen und pflegen."

                                                 
                                                 

Die neue Pfarrkirche

Am 18. Juli 1888 stellte eine sachkundige Kommission fest, dass die Restaurierung der alten Pfarrkirche mehr kosten würde als ein Neubau. Am 1. Oktober 1888 erhielt die Pfarrgemeinde vom Bischof Franz Bernert die Zusage zum Neubau. Der Patronatsherr von Radibor war damals der Rittergutsbesitzer Graf von Einsiedel, evangelischen Glaubens. Er versprach am 16. Oktober 1889 ein Flurstück zum Bau der Kirche, eine Landfläche von vier Ar, 95 m lang und 75 m breit. Der Bauplatz wurde am 7. Mai 1890 ausgemessen und ein Jahr später gerichtlich bestätigt. Weiterhin kaufte man ein Stück Land und erschloss einen Steinbruch, aus dem Granitsteine zum Bau der Kirche gebrochen wurde.

Den Bauplan fertigte nach langen Verhandlungen der Baumeister und Architekt Pirmin Campani, ein Mönch vom Benediktinerstift in Seckau in der Steiermark an. Den Bau der Kirche führte Baurat Giese aus Dresden und Baumeister Kaup aus Bautzen aus. Als Bauleiter wirkte Architekt Georg von Mayenburg aus Dresden.

Der Grundstein für die Kirche wurde am 15. Juli 1891 als Geschenk aus Storcha gebracht. Erst am 2. August 1894 wurde unentgeltlich der Baugrund ausgehoben, Steine und weiteres Material zum Bau herangefahren. Administrator Nikolaus Sauer teilte im Brief vom 23. Januar 1894 dem Bautzener Domstift mit, dass zu diesem Zeitpunkt 109 403,23 Mark zum Bau der Kirche zu Verfügung ständen. Ab Juli 1895 begann man, ununterbrochen zu bauen. Dem Baustil nach ist es eine altchristliche Basilika mit einem 18 m hohen Hauptschiff und zwei 9 m hohen Nebenschiffen mit einem halbrunden Altarraum (Apsis), hinten mit einer Vorhalle und dem Chor (Empore) mit der Orgel. Links vom Kircheneingang wurde ein 52 m hoher Turm mit einem Kreuz erbaut. Eigentlich wurde zwei über fünf Meter tiefe Grundmauern fertiggestellt, der Bau der zweiten Turmes sollte den Nachkommen überlassen werden.


Der Ausbau und die Ausschmückung des Innenraumes wurden unter Leitung des Architekten Georg von Mayenburg ausgeführt. Die Türme, Bänke und Beichtstühle wurden innerhalb von sieben Wochen in der Tischlerei für Kunstmöbel und architektonische Arbeiten von Herrman Schmidt und Sohn aus Bautzen fertig gestellt.
Die Stuckarbeiten modellierte Baumeister Marschner aus Bautzen. Den Hauptaltar, die Kanzel und den Taufstein entwarf Holzschnitzer und Bildhauer Hasenohr aus Dresden und führte die Arbeiten selbst aus.
Die geschnitzten Holzfiguren der Evangelisten und Jesus als guten Hirten wurden erst im Jahre 1939 angebracht.

Im Oktober 1896 war der Bau der Kirche fast beendet. Die Orgel aus dem Jahre 1882 wurde aus der alten Kirche in die neue eingebaut und vergrößert. In den Nebenschiffen der Kirche wurden vierzehn Gemäldedrucke des Kreuzweges angebracht. Fünf Bronzeglocken montierte man im Turm an.

Am 15. November 1896 fand die Weihe der Kirche statt. Sie bot tausend Gläubigen Sitzplätze. Jedoch war am Tag der Kirchweihe der Innenraum noch nicht mit sakralen Statuen ausgeschmückt. Sie wurden im Jahre 1896 bestellt, ein Jahr später in Mayers Hofkunstanstalt für kirchliche Arbeiten in München angefertigt und im Jahre 1898 in der Kirche aufgestellt. Die Weihe der Nebenaltäre erfolgte am 7. Mai 1898.
Auf Anweisung des Architekten der Kirche, Pirmin Campani, sollte der Altarraum frühestens drei Jahre nach dem Fertigbau ausgeschmückt werden. Die Malerarbeiten übernahm im Jahre 1903 der Maler Hindrichs aus Leipzig. Sie wurden aus dem Nachlass von Jan Hawk aus Bornitz und Mikławš Spihela aus Radibor bezahlt.

Anfangs brannten in der Kirche Petroleumlampen und Kerzen, erst als im Jahre 1914 Radibor elektrischen Strom bekam, erstrahlte auch die Kirche im elektrischen Licht.

                                                 

                                                 
                                                 
                                                 
                                                 
 

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